Die Rente mit Pfiff entpuppte sich als Luftnummer

13. März 2008

Im ersten Beitrag eines Blogs oder einen neuen Internetseite erwartet der Leser ein wenig Informationen, warum diese Seite entstanden ist und was sich der Ersteller davon verspricht.

Nun gut: Ich bin selbst Opfer einer perfiden Strategie, die ich damals nicht durchschaut habe. Als damals gering Besserverdienender, unverheiratet und kinderlos, riet mir mein Steuerberater, eine Immobilie zur Vermietung zu kaufen. Diese sollte möglichst renovierungsbedürftig sein, damit die Steuervorteile höher sind und ich nicht über 50% meines Einkommens an Vater Staat abdrücke.

Heute wäre ich froh, wenn ich die Steuerlast ertragen und mich nicht hätte fehlleiten lassen.

Wenige Tage nach dem Gespräch mit dem Steuerberater sah ich eine Anzeige: "Rente mit Pfiff" – durch Immobilien zur sicheren Altersvorsorge. Ich gebe zu, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht von den "Schrottimmobilien" gehört hatte.

Ich vereinbarte einen Termin (leider nicht Zuhause) in Bremerhaven und traf einen ehemaligen Finanzbeamten, der sich ein bewundernswertes Imperium aufgebaut hatte. Solvent, redegewandt und auch persönlich ein guter Typ. Ich hatte Null-Ahnung von der Immobiliensituation in dem Ort, von Hausverwaltung, etc. Ich wusste nur, dass der Steuerberater gesagt hatte: "Kaufen Sie besser gleich ein ganzes Haus, dann gibts keinen Ärger mit den Miteigentümern." Die meisten Berechnungen verstand ich nicht, auf Nachfragen wurde mir dann etwas erklärt, wovon ich zumindest annahm, etwas verstanden zu haben. Ich bin von der Künstlersozialkasse als Künstler eingestuft…

Zwei Häuser erfüllten das Suchraster und diese wurden dann von außen gezeigt. Nein, in die Häuser komme man gerade leider nicht, aber das sei ja ohnehin egal, weil ja im Kaufpreis die volle Renovierung enthalten sei. Leider entschied ich mich für das falsche Haus, weil bei dem anderen der Keller komplett als Wohnfläche deklariert war, was mir suspekt vorkam.

Eile war nun geboten, da das Jahresende nahte. Ich bekam die Berechnungen: Mit höchstens 700 Euro Unterdeckung p.M. sollte ich mir einen Wert aufbauen, der mich und meine zukünftige Familie im Alter schützen sollte. Die 700 Euro pro Monat taten etwas weh, aber es ging.

Wichtig war diese Verheißung in Zeiten unsicherer Renten dann im Alter die Mieteinnahmen zu haben. Drei Jahre Mietgarantie sollten das Risiko minimieren und die Renovierungsphase absichern. Nach Fertigstellung sei es kein Problem, Mieter für dieses Objekt zu finden. Das Haus ist von der Lage her tatsächlich nicht schlecht, außer dass es in Bremerhaven überhaupt keine guten Lagen gibt, aber das erfuhr ich erst viel später.

Die Annahme des Angebots unterschrieb ich kurze Zeit später beim Notar in Hannover, die Finanzierung besorgte der Vermittler. Alles war ganz leicht. Die eine Bank, die IBB (Internationales Bankhaus Bodensee) machte alles über den Vermittler per Post, die andere Bank, die Deutsche Bank in Geseke, ludt zu einem Unterzeichnungstermin ein, der kurzfristig vereinbart wurde.

Weder die eine, noch die andere Bank beriet mich oder warnte mich gar, denn wie ich heute weiß, war der Kaufpreis zu über 100% überhöht. Auch das Konstrukt mit der Mietgarantie, etc. war zwar Basis der Kreditverträge, es wurde aber nicht darauf eingegangen. Auf meine Frage, warum die Filiale der deutschen Bank in Geseke, erzählte der Vermittler von einer besonders guten Zusammenarbeit – und auch während des Termins wurde kurz über andere anstehende Finanzierungen gesprochen.

Die ersten Monate lief alles glatt, selbst mit den Renovierungsarbeiten wurde begonnen. Da auch die Hausverwaltung beim Vermittler lag, konnte ich meinen anderen Beschäftigungen nachgehen. Doch dann blieben die Überweisungen aus und die Belastung stieg auf über 3.000 Euro. Die Renovierungen kamen ins Stocken und Gespräche waren fällig. Also liess ich mich einseifen, "ja, es wäre etwas schwierig, man wolle Zahlungen und Renovierungen wieder aufnehmen, bla, bla, bla".

Da ich beruflich sehr eingespannt war und über 50% der Zeit im Ausland unterwegs war, fiel mir kaum auf, wie die Zeit verstrich. Irgendwann machte der Mietgarantiegeber Konkurs, nein, die Bauarbeiten würden bald wieder aufgenommen.

Bei mir wuchsen die Schwierigkeiten, die Banken pünktlich zu bedienen, aber ich war noch immer optimistisch. In einem Termin mit dem Vermittler/Renovierer/Verwalter und ehemaligem Mietgarantiegeber konnte ich neben zahlreichen Versprechungen auch ein persönliches Schuldeingeständnis ergattern. Hier war vereinbart, dass der offene Betrag in Raten zu 2200 € abgezahlt würde. Nichts geschah.

Dafür klagte der letzte Mieter im Haus über Wassereinbrüche, die durch die offenbar nicht fachgerechte Renovierung entstanden. Alle Versuche, an das Geld zu kommen, welches mir zumindest die Chance eröffnet hätte, die noch ausstehenden Renovierungen vornehmen zu lassen und das Haus in einen vermietbaren Zustand zu bringen, schlugen fehl.

Jetzt mal der Zeitraffer: Inzwischen ist das Haus leer, der Keller voller Wasser, Schimmel in den Wohnungen, beide Kredite notleidend, zwei Anwälte, die ich mit der Wahrnehmung meiner Interessen beauftragen wollte, haben versucht, mich auszunehmen, das Geld hat noch immer der Vermittler/Renovierer/Verwalter, ich habe einen tollen Titel und viele, viele Probleme am Hals.

Hätte ich blos nie… (aber das wird anderen Betroffenen bekannt vorkommen) Als Betroffener fängt man dann irgendwann an zu recherchieren und man stellt fest, dass es einem nicht allein so ergeht, sondern dass hunderttausende Menschen in der gleichen Situation sind. Von Vermittlern abgezockt, von Banken bedroht oder platt gemacht und vom Umfeld unverstanden.

 


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2 Reaktionen

  1. Christian Juni 18th, 2009 at 17:25

    Ich sollte für HDL das finanzieren von Schrottimmobilien übernehmen, habe aber durch Kenntnis der Sachlage dankend abgelehnt. Ich kenne aber das ganze System nachdem gearbeitet wurde. Bin durch eine ehemalige Kollegin der Coba angesprochen worden. Die Banken und die Vermittler kenne ich noch. Vielleicht kann ich helfen?

  2. Markus Juni 23rd, 2009 at 09:02

    Hallo Christian,

    ja, vcielleicht können Sie helfen. Rufen Sie mich doch bitte mal unter der im Impressum angegeben Telefonnummer an.

    Danke,

    Markus

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