Schrottimmobilien, Immobilienbetrug und mehr…

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Wieso es die Geschädigten doppelt schwer haben

Ich war letzte Woche einen ganzen Nachmittag bei der Kriminalpolizei in Hannover, um eine Betrugsanzeige aufzugeben. Jetzt weiß ich auch, warum es die Geschädigten von Schrottimmobilienkäufen es doppelt schwer haben, ihre Rechte durchzusetzen - und warum so manch unseriöser Verkäufer trotz bereits ausufernder Liste Geschädigter munter weiter machen kann.

Das deutsche Recht unterscheidet zwischen Zivil- und Strafrecht. Im Zivilrecht geht es um die Angelegenheiten der Bürger untereinander, zum Beispiel Verträge, in die sich der Staat kaum einmischt. Das Strafrecht dagegen sieht Sanktionierungen vor, wenn ein Bürger oder eine Gruppe von Bürgern straffällig wird, also einen Tatbestand aus dem Strafrecht erfüllt. Die Verbindung beider Rechtssysteme in Deutschland ist schwach ausgeprägt.

Ich sitze also bei der Polizei und schildere meinen Fall, habe dazu alle Akten dabei. Einige Monate klappte die Mietgarantie und die vertraglich festgelegten Renovierungsarbeiten wurden begonnen. Damit erfüllt das Geschehene nicht den Tatbestand des Betruges.

Hätte ich nicht noch einen Trumpf im Ärmel gehabt, wäre keine Betrugsanzeige aufgenommen worden, weil ich den Nachweis normalerweisen nicht hätte führen können, dass der Verkäufer/Vermittler dieses Verhalten wiederkehrend an den Tag gelegt hat.

Als ich darauf hinwies, dass ich inzwischen mehrere Betroffene kenne und das ganze System hatte, hellten sich die Gesichtszüge des Kriminalbeamten auf. Als ich aber den Trumpf der laufenden Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft in Bremen zog, war es klar, dass es sich hier um gewerbsmäßigen Betrug handelt.

Ich stelle jetzt mal ein paar Thesen auf, die meine Schlussfolgerungen aus dem Gespräch bei der Polizei sind:

  1. Die Opfer von Schrottimmobilien haben gleich mehrere Probleme: Erstens müssen sie mit deutlich weniger Geld zurechtkommen und versuchen, die Insolvenz abzuwenden, zweitens müssen sie selbst aktiv werden und recherchieren, ob es weitere Betroffene gibt.
  2. Wer es als Verkäufer nicht so doll treibt, kann durchaus dem Betrugsvorwurf entkommen, allein die Gier und das leicht verdiente hohe Einkommen, sorgen dafür, dass die Täter dann doch in die Situation kommen, nach $ 263 StGB straffällig zu werden.
  3. Bevor man zur Polizei geht, sollte man ausreichende Kenntnisse über die Geschäfte der Verkäufer/Vertriebe und Banken zusammensammeln. Das ist heute deutlich einfacher, als noch vor ein paar Jahren. Man muss es nur tun und sich aktiv auf den Seiten einbringen, die wie diese Seite versuchen, Licht in ins Dunkel zu bringen.
  4. Die Anzeige bei der Polizei hilft den Betroffenen kurzfristig kaum, kann aber mittelfristig doch zivilrechtliche Vorteile bringen. Je mehr Betroffene zur Polizei gehen, desto wahrscheinlicher wird ein Einfluss auf eine mögliche Rückübertragung mit Schadensersatz für die Geschädigten.
  5. Vertrauen Sie nicht jedem Anwalt: Mir hat man während der vergangenen Jahre immer gesagt, ich sei ein Einzelfall und hätte keine Chance. Darüber ist viel wertvolle Zeit verloren gegangen.  Inzwischen weiß ich es besser. Vorsicht auch vor Anwälten, die Ihnen mit Versprechungen auf eine baldige Rückabwicklung Geld für eine Prüfung Ihrer Unterlagen abnehmen wollen. Mein extremster Fall war eine Kanzlei aus Bayern, die in einer Pressemitteilung den Eindruck erweckte, einen bedeutenden Fall gewonnen zu haben und mir anbot, für 7000 Euro meinen Fall zu prüfen. Nebenbei: Die Kanzlei hatte mit dem erstrittenen Urteil nichts zu tun, was ich durch eine Recherche bei Gericht herausfand.
  6. Glauben Sie nicht daran, dass Ihr Rechtsanwalt Ihnen die Recherchearbeit abnimmt. Das müssen Sie selbst machen.
  7. Nicht zu früh aufgeben - und nicht resignieren. Kämpfen Sie, es geht um Ihr Leben - und das Ihrer Familie.
  8. Kämpfen Sie auch gegen die Banken, denn die interessiert Ihr Schicksal nicht. Bankenintern wird der Mitarbeiter belobigt, der Sie plattmacht und damit Ihren Fall abschließt. Die Banken haben keine Lust auf Vorschläge, auf Verhandlungen und Einigungen. Die Banken wollen nur eins: Ihr Geld. Und wenn es dabei Schwierigkeiten gibt, dann werden sie sehr ungemütlich.

Bei mir geht es um 570.000 Euro Kaufpreis für eine Immobilie, die heute einen geschätzten Wert von 125.000 Euro hat. Die Immobilie ist nicht vermietbar, Wasser kommt von oben und unten, teilweise sind Verbindungen zur Energieversorgung nicht gelegt worden, etc.

Ich habe 5 Jahre mit Ach und Krach gezahlt, sämtliche Ersparnisse dafür aufgewendet, allein ein Jahr dauerte die Erlangung eines Titels wegen der nicht gezahlten Mietgarantien, die Banken wissen genau, was gelaufen ist und versuchen, mich in die Insolvenz zu treiben.  Ich habe seit 4 Jahren keinen Urlaub gemacht, mich an Zinsen auch für private Girokonten dumm und dämlich bezahlt, meine Lebensversicherung verloren und viele weitere Verluste hinnehmen müssen.

Bei einer der finanzierenden Banken bahnt sich da ein heftiger Skandal an.

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Autor: Bernd am 20. Apr 2008 12:46, Rubrik: Berichte von Betroffenen,
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Eine Reaktion zu “Wieso es die Geschädigten doppelt schwer haben”

  1. campari65 schreibt

    Hallo Bernd,

    die Strafanzeige wird kein Erfolg haben wie auch mein nicht hatte.

    Ich habe mich einige Jahre mit dem GG befast und etwas interessantes herausgefunden.
    Bitte melde dich mal bei mir.

    Suche auch Geschädigten die von der Hypovereinsbank
    betrogen worden sind.
    campari65@o2.pl
    Gr.
    Raymund

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