Baurat aus Bremerhaven will Besitzern von Schrottimmobilien unter Druck setzen
26. März 2009Nach einem Bericht der in Bremerhaven erscheinenden Nordseezeitung will der CDU-Baustadtrat Volker Holm die Besitzer von Schrottimmobilien in Bremerhaven, insbesondere im Stadtteil Lehe unter Druck setzen, deren Häuser zunehmend verwahrlosen. “Gemeinsam suchte man im Baugesetzbuch nach Mitteln, um gegen Hausbesitzer vorzugehen, die ihre Häuser verwahrlosen lassen – weil sie kein Interesse haben oder weil sie warten, bis der Steuerzahler ihren Schrott in Ordnung bringen muss, um die Verelendung ganzer Straßenzüge zu verhindern.” berichtet die Nordseezeitung.
Offenbar weiß der Herr Baurat nicht, warum es so viele Schrottimmobilien in Bremerhaven gibt und wer tatsächlich für die Situation verantwortlich zeichnet. Fakt ist doch, dass allein im Stadtteil Lehe hunderte von Eigentumswohnungen an Anleger in ganz Deutschland verkauft wurden, zu Preisen, die bis zum 10fachen überteuert waren. Ein geschicktes Zusammenspiel zwischen in Bremerhaven ansässigen Verkaufsfirmen, Vermittlern und finanzierenden Banken, die gemeinsam dem Anleger vorgegaukelt haben, dass diese Wohnungen werthaltig seien und damit eine ideale und sichere Altersvorsorge bieten würden. Für viele der Käufer zwischen 1995 und 2003 hat sich dieser Kauf zum existenzbedrohenden oder vernichtendem Desaster entwickelt. Top moderne Dachgeschosswohnungen entpuppten sich nach dem Kauf als Dachböden mit dem Muff aus Jahrzehnten, beim Kauf bezahlte Renovierungen wurden zum Teil nicht mal begonnen, zu anderen Teilen nie fertiggestellt, weil die Handwerker aufgrund ausbleibender Zahlungen ihre Arbeiten abbrachen.
Sämtliche Versuche der Eigentümer, aus den Häusern doch noch etwas zu machen, werden von den Banken blockiert. Stattdessen wird zwangsversteigert und die Erwerber wundern sich dann, wie marode die Häuser zum Teil wirklich sind. Versuche, von den Verkäufern die nicht durchgeführten aber bezahlten Arbeiten zu bekommen, scheitern daran, dass sich diese in die geplante Firmeninsolvenz verabschieden. Gerichtsvollzieher, die unterschlagene Mieten und Energiekosten eintreiben wollen, können seit Monaten den Aufenthaltsort bestimmter Menschen in Bremerhaven nicht ermitteln, obwohl manch ein Geschädigter weiß, wo sich die Schurken aufhalten.
Herr Holm, wir kennen allein 70 Geschädigte aus den Immobiliengeschäften in Bremerhaven, manche kämpfen noch verzweifelt gegen ihren Untergang, andere haben bereits alles verloren. Vor diesem Hintergrund kann die Stadt Bremerhaven sich schon mal Gedanken machen, allerdings nicht in der von Ihnen vorgetragenen Tonalität. Denn die ist einfach nur fehl am Platz.
Gerne kommen wir mal mit einer Geschädigtenvertretung zu Ihnen nach Bremerhaven und zeigen Ihnen, was Sie entweder nicht wissen, vielleicht nicht wissen können oder gar bewusst verschweigen. Sie werden erschrocken sein, was in Ihrer Stadt vorsich geht.
