Banken in der Schweiz um 18 Millionen Franken betrogen

23. November 2009

Ab Anfang 2010 müssen sich insgesamt 28 Personen vor dem Kreisgericht Wil verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2000 bis 2004 in den Kantonen St. Gallen, Thurgau und Schaffhausen in 136 Fällen massiv überhöhte Hypothekenkredite erschlichen zu haben. Das Gesamtvolumen der Hypotheken betrug 71,2 Millionen Franken. Mehrheitlich waren Banken die Opfer, in 35 Fällen Versicherungen.

Professionelles Vorgehen

Laut dem zuständigen Untersuchungsrichter für Wirtschaftsdelikte gingen die Angeklagten professionell vor. Über Strohmänner oder Immobilienfirmen kauften sie Eigentumswohnungen, Ein- oder Mehrfamilienhäuser, die zum Beispiel wegen Sanierungsbedarfs auf dem Markt günstig angeboten wurden.

Danach warben sie über Zeitungsinserate  Käufer an. In den Inseraten wurden große Versprechungen gemacht: “Mit unserem erfolgreichen Immobilienbüro innerhalb Jahresfrist eine Million Franken verdienen”. Interessenten wurden mit Prämien von bis zu 5000 Franken pro Kaufvertrag geködert. Die nötigen Eigenmittel schossen ihnen die Verkäufer zum Teil vor.

Rund 50 Personen ließen sich auf diese Weise zu einem Kauf oder mehreren Käufen überreden. Sie hofften darauf, ihre Liegenschaften später mit Gewinn weiterzuverkaufen – ein Versprechen, das in allen Fällen bitter enttäuscht wurde.

Kreditinstitute getäuscht

Den Banken und Versicherungen wurden gefälschte Exposées für die Immobilien, gefälschte Kaufverträge, gefälschte Gehaltsbescheinigungen, falsche Kontoauszüge, gefälschte Steuererklärungen und geschönte Eigenmittelnachweise, fingierte Werkverträge und Mietzins-Aufstellungen vorgelegt. Laut Anklage wurden die Käufer für die Gespräche mit den Kreditgebern sorgfältig präpariert.

Die Finanzinstitute zahlten Hypothekenkredite aus, die den wahren Wert der Immobilien weit überstiegen. Die drei Drahtzieher kassierten laut Anklage 12,7 Millionen Franken. Die geprellten Käufer hingegen blieben auf ihren überteuerten Immobilien sitzen und mussten in den meisten Fällen Konkurs anmelden.

Die Anklage wirft den Drahtziehern gewerbsmässigen Betrug, Fälschung von Urkunden und Ausweisen, Steuerbetrug, Geldwäscherei und weitere Straftatbestände vor. Dem Hauptangeklagten, einem wegen Versicherungsbetrugs vorbestraften 52-jährigen Kaufmann, droht eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren.

Quelle: Thurgauer Zeitung (überarbeitet und gekürzt)

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