Lesen Sie das, bevor Sie eine vermietete Eigentumswohnung kaufen

15. Dezember 2009

Wenn Sie jetzt jemand anspricht, ob Sie nicht immer schon eine vermietete Eigentumswohnung kaufen wollten, dann brechen Sie das Gespräch ab. Auch und gerade wenn es ein Bekannter oder Verwandter ist, denn oft kommt der Teufel im Engelskostüm daher.Rund ein Viertel der Betroffenen, die ich über diese Seite kennen gelernt habe, sind auf diesen Freundes-Trick reingefallen, der sich bis zum örtlichen Versicherungsberater ausweitet, den man ja schon seit Jahren kennt und dem man auch vertraut. Oft wissen die Leute nicht einmal, was sie Ihnen antun werden. Ich hatte schon weinende Versicherungsberater am Telefon, die ihren Auftraggebern geglaubt hatten, dass alles geprüft und in Ordnung sei.

Wenn Sie jemand anruft und eine Umfrage vorgaukelt, legen Sie auf. Es ist nämlich auch ein beliebter Trick, so zu tun, als wolle man nichts verkaufen. Wenn Sie die Fragen beantworten, zum Beispiel zu Ihrer Steuerlast, dann endet das Gespräch ganz sicher mit der Frage, ob sich kurzfristig bei Ihnen ein Steuersparberater melden dürfe. Der könne Ihnen locker zig tausend Euro an Steuern einsparen.

Spätestens mit der Finanzkrise hat der Bürger verstanden, dass die Banken keine vertrauenswürdigen Institutionen sind. Banken machen das, wovon sie glauben, dass es Geld bringt. Moral und Anstand hat in diesem Geschäft schon lange keinen Platz mehr. Die Banken haben Milliarden verzockt und wenn man Insidern Glauben schenken will, geht die Zockerei munter weiter. Wenn man Ihnen also sagt, dass die Eigentumswohnung bankgeprüft oder bankeingewertet sei, verstehen Sie das bitte auf keinen Fall als Gütesiegel.

Aus dem Fall der Schrottimmobilien in Bremerhaven wissen wir, wie so eine Bankprüfung zum Beispiel bei der früheren LBBW-Tochter IBB aussah. Es fuhr ein Mitarbeiter durch Bremerhaven und legte für die Stadtteile einen Beleihungswert fest. Da war es dann egal, was für ein Objekt finanziert werden sollte, Bretterbude oder Gründerzeitvilla, für alle galt der Standardbeleihungswert. In heutigen Prozessen kommt dann heraus, dass die Bank bei einigen Objekten nicht mal einen Verkaufsprospekt gesehen hat.

Es kam der Bank einzig und allein darauf an, Leuten die Wohnungen zu finanzieren, bei denen man erwarten konnte, dass sie ihren Abtrag leisten können. Das sämtliche Berechnungen zu den Mieteinnahmen erkennbar falsch waren (5 Euro per Prospekt versprochen, tatsächliche Mieter zahlten 1 Euro) war der Bank völlig wurscht. Nein, weil das Geschäft so gut lief, wurden von der öffentlichen Landesbank und ihrer Tochter gleich mal zig Wohnungen finanziert. So erhält das Prädikat “bankgeprüft”, mit dem die Verkäufer ihren Schrott anpriesen, gleich eine neue Bedeutung. Bankgeprüft war nämlich nur der Kunde, den es abzukassieren galt.

In Prozessen werden dann Zeugen aufgefahren, die den Käufer angeblich umfassend über die Mietverhältnisse informiert haben sollen. Dumm nur, dass der Zeuge dem widerspricht und aussagt, dass er nie mit einem Kaufinteressenten gesprochen hat, erst recht nicht über die Mieteinnahmen. Und so konnte der Käufer nicht wissen, dass die Wohnungen nur zu 20% des versprochenen Mietwertes vermietet waren. So etwas bringt dann sogar den gefasstesten Richter in Rage.

Also: Machen Sie nicht den Fehler, den vor Ihnen bereits über 300.000 Menschen in Deutschland gemacht haben. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, es ist völlig egal, ob Sie dieses oder nächstes Jahr kaufen. Und nehmen Sie sich bei der zwingend erforderlichen Besichtigung unbedingt einen unabhängigen Sachverständigen mit. Auf keinen Fall sollten Sie das Angebot des Verkäufers akzeptieren, der zufällig einen “unabhängigen” Bausachverständigen kennt – denn der steht bei ihm auf der Lohnliste.

Recherchieren Sie auf Immobilienportalen, zu welchem Preis vergleichbare Wohnungen angeboten werden. Achten Sie dabei ausschließlich auf Angebote von privat. Die Preisspiegel werden in einigen Städten von den Unternehmen geprägt, die zu überhöhten Preisen anbieten. Es gibt dann sozusagen zwei Preisniveaus: Das für professionelle Vertriebsorganisationen (100% über Marktwert) und Ihres, wenn Sie verkaufen möchten (mindestens 50% unter Kaufpreis). Eine Schrottimmobilie ist nämlich nicht unbedinbgt schrottig (obwohl einige auch das sind), sie wird auch darüber definiert, dass der Kaufpreis deutlich über dem Marktwert liegt. Mir hat mal ein Schrottimmobilien-Verkäufer die Mitarbeit angeboten: Ich sollte 30 Prozent des Kaufpreises an Provision bekommen. Überlegen Sie mal, er will schließlich auch noch etwas daran verdienen. Und für 30 Prozent Provision würden viele Ihre Großmutter verkaufen, da ist soviel Geld im Spiel, dass man an Sie als Käufer und die Auswirkungen Ihres Kaufs auf den Rest Ihres Lebens nun wirklich nicht denken will.

Nebenbei: Es ist ein Gerücht, dass es Schrottimmobilien nur in den fünf neuen Ländern gibt. Es gibt auch im Westen viele Wohnungen im Angebot. Es sind also nicht nur Wohnungen in Chemnitz, Leipzig, Magedburg, Dresden usw., sondern es kann auch Hamburg, Hannover, Düsseldorf oder oder sein.

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