Neues aus Bremerhaven: Weser Kurier über Schrottimmobilien

15. Dezember 2009

In Bremerhaven wird eifrig weiter über die Schrottimmobilien in der Stadt diskutiert. Erst gestern erschien wieder ein Artikel im Weser Kurier. Was dabei wieder einmal vergessen wird ist, dass die Eigentümer der Schrottimmobilien ihre Häuser oft nicht instandhalten können, weil sie schlicht und einfach beim Erwerb betrogen wurden. Viele der uns bekannten über 80 Eigentümer haben erhebliche wirtschaftliche Schwierigkeiten, da die im Prospekt zugesagten Einnahmen nie realisiert wurden, weil von ihnen beim Kauf bezahlte Renovierungen entweder nicht begonnen oder nie abgeschlossen wurden.

So gibt es keine Mieter, nicht mal welche, die bereit sind, zwei Euro zu zahlen. Und dann kommt irgendwann die Phase, wo der Eigentümer, der bereits mehrere Jahre nur zugelegt hat, die Raten bei der Bank nicht mehr zahlen kann. Unterdessen verfallen die Häuser und Wohnungen immer mehr. Die swb versucht unterdessen die Schulden des Verkäufers bei den neuen Eigentümern einzutreiben. Das geht ohne Vertrag natürlich nicht, aber das ignoriert die swb immer wieder. Wenn der Eigentümer ein Kämpfer ist, geht er spätestens jetzt zum Rechtsanwalt und lässt überprüfen, was bei diesem Geschäft nicht stimmte. Aber Rechtsanwälte sind teuer und Rechtsschutzversicherungen kündigen dann auch mal gerne – und so warten einige ab und hoffen, die bereits laufenden Prozesse Gerechtigkeit schaffen.

Das Problem in Bremerhaven liegt auch darin, dass die Immobilienzunft dort hervorragend vernetzt ist und man sich nur wundern kann, wie gut dieses System über Jahre funktioniert. Es fällt auf, dass frühere Mitarbeiter von einem inzwischen offiziell Pleite gegangenen Top-Verkäufer dann plötzlich in Hausverwaltungen auftauchen und dort die damals verkauften Wohnungen wieder betreuen. Unabhängige gibt es selten und wenn, dann werden sie aus dem Markt gedrängt.

Es lässt sich mit dem Niedergang von Lehe unheimlich viel Geld verdienen, wenn man nur Leute findet, die von den Zuständen vor Ort keine Ahnung haben und zu wenig Zeit aufwenden, um die todsicheren Anlagemodelle wirklich auseinander zu nehmen und mit der Realität in Lehe zu vergleichen. Selbst große Wohnungen gehen in Zwangsversteigerungen für unter 5.000 Euro weg. Man investiert nochmal 5000 Euro in etwas Wandfarbe. Laminat und eine billige Küche und verkauft die Wohnung dann an einen Käufer aus zum Beispiel Stuttgart, München oder Frankfurt als Anlageobjekt für 50.000 bis 100.000 Euro. Gerade in den drei genannten Städten erscheint dieser Kaufpreis wie ein Superschnäppchen. Der Gewinn für den Verkäufer liegt dann zwischen 40.000 und 90.000 Euro. Ein tolles Geschäft, zumindest für den Verkäufer. Ein jahrelanges Problem für den Käufer, aber für den interressiert man sich nicht.

Der Weser-Kurier sollte mal richtig recherchieren und nicht nur an der Oberfläche kratzen. Was bei investigativerem Journalismus raus kommen würde, wäre ein echter Hammer. Wir sind gerne bereit, einige explosive Informationen beizutragen, wenn der Weser Kurier sich trauen würde.

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